Ich brauche deine Hilfe!

Soeben wurde ich zum Mitglied des Bundesvorstands der Piratenpartei Österreichs gewählt.
Warum mach ich das?

Weil es eine Chance gibt, der Korruption, dem Machtmissbrauch und der Einzementierung des Status Quo durch intransparente, undemokratische, Partikularinteressen vertrende Organisationen – in anderen Worten, dem österreichischen Alltag (EGTUSVM) – glaubwürdig entgegenzuwirken.

Weil es eine Chance gibt, die digitale Revolution endlich in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Recht ankommen zu lassen.

Weil es eine Chance gibt, Menschen unabhängig von ihren angeborenen Privilegien zu befähigen, sich selbstbestimmt und frei entfalten und verwirklichen zu können.
Und alles weitere, was die gestern beschlossenen neuen Grundwerte so umreißen.

Klingt nach Politikergewäsch – ich weiß. So schnell geht das also. Und das Konzept „Parteimitgliedschaft“ ist sowieso total angestaubt – keep your identity small, Unabhängigkeit über alles, und so weiter. Außerdem sind diese Ziele total überambitioniert. Ja, eh. Aber!

Nie zuvor gab es eine Partei, in der die Meinungsbildung und Programmerstellung ausnahmslos mit Liquid Democracy – technisch skalierbar gemachter Basisdemokratie – passiert, und niemals in irgendeinem Hinterzimmer.

Nie zuvor gab es eine Partei, die nicht lediglich von sich behauptet, schlauer und moralisch korrekter als der Mitbewerb zu sein – sondern die an handfesten Transparenz- und Mitbestimmungskonzepten arbeitet, die das System an sich verbessern sollen.

Seit dreißig Jahren gab es keine Partei, die aus einem gesellschaftlichen Umbruch global und bottom-up als waschechte „Graswurzelbewegung“ entstanden ist – und nicht weil irgendjemand einen Masterplan ausheckte, Geld in die Hand nahm bzw. in seinem Netzwerk einsammelte und sich dabei freilich selbst zum Obervorsitzenden ernannte (oder bestenfalls unanzweifelbar wählen ließ).

(Achtung! Jetzt kommt ein noch nicht basisdemokratisch legitimierter, halbdurchdachter Vorschlag von mir.) Niemals zuvor gab es eine Partei, die hoffentlich einen signifikanten Anteil der Parteienfinanzierung in demokratiepolitische Softwareprojekte stecken könnte, um auch ohne Regierungsbeteiligung oder absolute Mehrheit – ja, sogar bei verfehltem Einzug ins Parlament – die Welt ganz konkret zu verändern. 

„Partei“ sind wir der Rückwärtskompatibilität halber – das Wort darf man nicht überbewerten.

Eines ist jedenfalls klar: Es wird eine Mordshacken.

Wir müssen 200.000 Menschen überzeugen, dass wir es ernst meinen, obwohl es sowas früher nicht gegeben hätt’ und da ja jeder kommen könnt’. Wir müssen mit Medien- und Wahlsystemen umgehen, die aus einem anderen Jahrtausend stammen als wir. Wir müssen unser mittlerweile täglich wachsendes Programm priorisieren und auf klare und virale Botschaften herunterbrechen. Wir müssen Kandidaten finden, die unsere Weltanschauung aus purem Idealismus zuverlässig und überzeugend vermitteln können. Wir müssen auf einander besser achtgeben, damit wir dem Status Quo gemeinsam gefährlicher werden können.

Was auch immer du bisher über die österreichischen Piraten gehört haben magst, es braucht ein Update: Es gibt funktionierende Selbstverbesserungsprozesse, und es sah niemals vielversprechender aus.

Wir haben eintausend helfende Hände von über ganz Österreich verteilten Idealistinnen und Idealisten, denen niemand Aussicht auf irgendeinen Posten oder Verdienst gemacht hat.
Es gibt ein paar spannende neue Gesichter im Bundesvorstand: Marlies, die alleinerziehende Mutter, deren Job im öffentlichen Dienst sie schon für mehrere Jahre u.A. nach Serbien, Kuwait und in den Oman geführt hat. Den Mathematik-Dissertanten und Linguistik-Studenten Lukas, der scheinbar Tag und Nacht an Ideen für die Demokratie- und Verwaltungsreform (und überhaupt allem anderen auch) tüftelt. André, den pensionierten Wirtschaftsjournalisten und Schriftsteller mit flinker Zunge aus Koroška.
Weiter dabei ist Rodrigo, der die Katzenherde schon durch so manchen Shitstorm zusammengehalten hat – wenn auch nicht ohne ab und zu auch selbst mal einen loszutreten ;)

Wir gehen mutig die Quadratur aller möglichen Kreise an: Effiziente Basisdemokratie, Technologie die für alle funktioniert, Inhalte vor Köpfen, transparente Taktik, Offenheit ohne Selbstblockade. Diese Ambitionen sind wichtig. Wenn’s am Ende eher abgerundete Rechtecke werden, haben wir auch viel erreicht. Denn wir werden Fehler machen. Mitglieder werden sich in die Haare kriegen. Wichtiges wird auf der Strecke bleiben. Das gehört alles dazu, wenn es zehntausend Dinge gleichzeitig zu tun gibt, die noch nie in dieser Form getan wurden, und dafür grob gerundet null Euro.

Ich habe heute einen Antrag eingebracht, die Rolle, die ich jetzt ausführe, in “Bundeskoordination” umzubenennen. Das sollte verdeutlichen: Es geht hier nicht um eine Machtposition. Der Antrag wurde leider nicht angenommen, aber die Bedeutung bleibt: Ich bestimme nicht, wo’s lang geht. Mir wird’s nicht zu verdanken sein, falls die Piraten den Einzug ins Parlament bei der kommenden Nationalratswahl schaffen.
Das wird uns zu verdanken sein, sobald du auf diesen Link klickst.
Vorsichtig abwarten war gestern. Steck die Apathie weg und mach mit :)

Wenn dir das noch zu scary ist – dann versprich mir bitte wenigstens, mir und uns auf die Finger und über die Schulter zu schauen. Ich werde hier und anderswo laufend berichten. Bitte stell mir die harten Fragen und bohr nach, falls ich Abgründe mit hübschen Worten zu kaschieren versuchen sollte.
Vielleicht musst du anfangs noch ab und zu ein Auge zudrücken oder eine rosarote Brille aufsetzen. Aber fest steht: Ich will nicht möglichst gut den Eindruck erwecken, hier würde das spannendste (wenn auch nicht professionellste) Projekt der österreichischen Politik seit zwanzig Jahren entstehen – die Realität darf den Worten allerspätestens mit kurzer Verzögerung hinterherhinken :)

Ich treff mich sehr gern mit jeder und jedem Interessierten, der/dem ich die Ohren noch ausführlicher vollquatschen darf. Ich schreib auch gern was für deine Schülerzeitung, labere in dein Podcastmikro oder vermittle jemanden, die/der dafür besser geeignet ist. Sag einfach bescheid.

Und noch wichtiger: Frag doch bitte deine Freunde, was sie von all dem halten.

Genug geschwafelt, der Weg ist weit – ich lauf jetzt mal los.
Sehen wir uns bei der ersten Zwischenzeit?

6 thoughts on “Ich brauche deine Hilfe!

  1. Deine Texte sind so ziemlich die Einzigen in der Piratenpartei (Ö), mit denen ich mich identifizieren kann.
    Da bekommt man wieder einen Hauch von Hoffnung :)

    LG
    Andi

  2. Hallo,
    ich will mich derzeit noch nicht festlegen, versuche jedoch sauber, korruptionsfrei gebliebene oder neue Gruppierungen durch eine “Wahlwerbung” der anderen Art zu unterstützen. Nämlich ich rufe zum wählen Gehen auf und zum Stimmentzug gegen die korruptionsbelasteten Parteien (“The Corruption Four”).

    Siehe dazu meine Web-Seite: http://www.korruption-abwahl-jetzt.at/

    Wenn’s gefällt, bitte weitersagen; ich freue mich, wenn’s hilft … :-)

    Sozusagen: getrennt marschieren – aber gemeinsam die Korruption schlagen (aktualsierter Sponti-Spruch aus 1968) ,,,

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>